Julius Hofmann - under der linden

13.01.2018 – 04.03.2018

 

Eröffnung:
Sonnabend, 13. Januar 2018, 11 – 20 Uhr

Eine Zypresse, historisch anmutende Säulen, ein in Granit gefasstes Becken: Das klingt fast schon nach einer romantischen, italienischen Gartenarchitektur, wäre da nicht das Dunkel, das die Szene umhüllt. Vielleicht ist es aber auch die Skulptur, deren grimmiger Gesichtsausdruck mit der erhobenen Hand etwas Unbehagen in der scheinbaren Idylle auslöst. Was stimmt hier nicht? Ist es, dass die Skulptur, die von antiken Elementen geprägt ist, viel zu sehr in Bewegung scheint? Oder sind es die Gegensätze, die dieses Bild beherrschen? Von der zweidimensionalen Zypresse, hin zu kantigen oder verpixelten Pflanzen, über die verzogenen Perspektiven, bis hin zu dem Granit, der so echt wirkt, dass man ihn am Liebsten angreifen möchte.
Die Malereien von Julius Hofmann bieten eine transmediale Erfahrung: sie reflektieren die Ästhetik eines anderen Mediums — der Computer- und Digitalästhetik. Hofmann hat sich die audiovisuelle Oberfläche der Grafik von Computerspielen der 90iger Jahre angeeignet und flechtet diese Bilderwelten und Strukturen in das Medium der Malerei und den Film ein.  
Für Hofmann hat die Malerei den Weg für die Computergrafik geebnet. Sie profitiert aus seiner Sicht seit jeher von dem, was in der Malerei erreicht wurde. Während er in seiner Malerei immer wieder die Ästhetik der Computergrafik aufgreift, bedient er sich für seine digital produzierten Filme ebenso an Elementen aus der Malerei und der Skulptur, zitiert  Künstler der Neuen Sachlichkeit wie z.B. Anton Räderscheidt oder den Wegbereiter des Surrealismus Giorgio de Chirico und filmische Werke wie Michelangelo Antonioni's ,,Blow up'' und Jean Luc Godards ,,Le Mepris“ — und erweitert damit seine 3D-Animationsfilme um ein malerisches Moment. Es ist ein ständiger Transfer von einem Medium ins andere, deren Grenzen dabei zunehmend aufgelöst werden. Dieser „Re-Import“ löst einen Dialog zwischen seinen Malereien und den 3D-Animationsfilmen aus. Jede seiner Arbeiten ist in einen größeren Prozess und eine Narration eingebunden, wodurch sie aufeinander Bezug nehmen. Doch die perfekten Kopien menschlicher Körper aus dem Silicon-Valley, die auf und abseits von Bildschirmen als Teil einer posthumanen Landschaft kreiert werden, sind für Hofmann’s Werk nicht relevant: „Perfektion ist (jedoch) nichts anderes als endgültiger Stillstand, Zustand statt Übergang, Sein statt Werden.“ Hofmann macht mit seinen Werken ein bisher kaum erforschtes Spannungsfeld zwischen Computer-Animation und Malerei sichtbar. Eines, das permanent mit der Erwartungshaltung des Betrachters bricht. Seine Bilderwelten sind uns fremd, ohne gänzlich fremd zu sein. Eine Art undurchdringliches Geflecht, das bis zuletzt nie ganz entwirrt werden will.
Auch in den Werken der Ausstellung ,,Under der linden“ gibt es gewisse Elemente, denen er sich immer wieder bedient, die er wie nach einem Setzbaukastenprinzip verwendet und die Bezüge herstellen: die hohen Zypressen etwa, die italienische Gartenlandschaft, die antik anmutenden Architekturelemente, Springbrunnen, Blumen und historischen Skulpturen. So wie auch die Charaktere, die in seinen Arbeiten immer wieder auftauchen und einen Erzählstrang bilden. Eine Geschichte zieht sich durch viele Gemälde und Animationsfilme: In diesem Fall, die Geschichte des Gedichtes „Under den linden“ von Walther von der Vogelweide aus dem Jahr 1200. Eine geheime, verbotene Liebesgeschichte, die auf einem Bett aus roten Rosen unter einer Linde ihren Lauf nimmt. Und von der nur ein Vogel weiß. Von dem romantischen Liebesakt und der wissenden Nachtigall bleiben in dem Film nur Verschiebungen: überdimensionale Rosen etwa, deren Stacheln wie eine Bedrohung wirken, statt der lieblichen Nachtigall ein Rabe, statt der romantischen Gartenidylle ein düsterer Ort. Hofmann spielt mit der Erwartungshaltung des Betrachters, verortet das Gedicht in einer anderen Zeit, und stellt damit neue Fragestellungen in den Raum. So wie die plötzlich auftauchende Tennisspielerin — ein Sport, der in den 90iger Jahren einen irren Hype erlebt hat. Doch zur Zeit von Walther von der Vogelweide, als „Jeu de Paume“ nur Männern vorbehalten war. In der scheinbaren Widersprüchlichkeit seiner Szenen, verweist Hofmann damit auch auf eine politische Dimension. In diesem Fall auf die Emanzipation der Frau.

(Sabrina Steinek, Kunsthistorikerin und Founder Keenonmag)

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