Rosa Loy und Nadin M. Rüfenacht - jelängerjelieber

07.08.2010 – 04.09.2010

Malerei und Fotografie 

Im Katalog schreibt Rosa Loy: „mit der Sonne kommen Klugheit, Schönheit und Weisheit“ und schildert ihre Liebe zum Kraft spendenden Zyklus der Natur. Solchermaßen sensibilisiert, folgt man in den zwanzig Bildern der Ausstellung auch diesem Gedanken. Der „Ausgang“ führt in einen dunklen, blätterlosen Wald mit Fabelwesen. Die Protagonistin ist aber so gar kein Rotkäppchen, sondern selbstsicher und modern. Den „Liebesknoten“ flechten schöne Schmetterlinge der verträumten, jungen Frau ins Haar. In „Übung, Übung“ spielen ebenso junge Frauen und Schmetterlinge die Hauptrollen. Und mit den Raupen auch der Kreislauf des Werdens und Vergehens. Die Bilder der Leipzigerin sind nicht wirklich zu entschlüsseln. Die private Mythologie von Rosa Loy ist jedoch poetisch und in vielem ein Gegenpol zur gewalt- und unglückvollen Realität.

Nadin Maria Rüfenacht inszeniert die Bildwelten für ihre Fotografien. Die Requisiten findet sie zumeist in ihrem Umfeld. So stammen die Gläser und Blumen der Serie „Le verre de cocteau“ alle aus dem Garten der verstorbenen Johanna H., den die Fotografin vor drei Jahren übernommen hat. In den Bildern der Folge stehen vor grau-schwarzem Grund, durch sanftes Licht fein beleuchtet, Gläser mit einem, selten zwei Blütenstängeln. So wie Rüfenacht Wiesennelke, Leberblümchen, Mohn, Wegewarte oder Gewitterblume in Szene setzt, porträtiert sie sie regelrecht. In der Ausstellung entdeckt der Besucher, dass nicht ein Motiv doppelt auftaucht. Jedes Glas ist ein anderes. Jedes hat seinen eigenen Charakter, weist Gebrauchsspuren auf. Einfaches Pressglas ist dabei wie auch alte geschliffene Weingläser, hohe Stangen wie schlichte Becher. Und jede Pflanze ist eine neue. Allerdings zeigt Rüfenacht nicht die stolze Rose oder die edle Chrysantheme, sondern „einfache“ Feld- und Wiesenblumen. Ihnen verleiht sie poetische Schönheit und stille Größe. Ihre Blumenbilder offenbaren florale Individuen. Was sie nicht verschweigt, ist deren Vergänglichkeit. Gepflückt im Glas überdauern die Pflanzen nur wenige Stunden. Blüte und Frucht, Schönheit und Tod – wie nah liegt alles beieinander.

So trifft in dieser Ausstellung sensible Weltbeobachtung auf das imaginäre Reich der Fantasie. Mit beiden und bei beiden Künstlerinnen. (Christine Dorothea Hölzig)

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