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Erasmus Schröter

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Bunker WB XV, 1992, C-Print, Diasec, 150x120cm
Bunker WB XV, 1992, C-Print, Diasec, 150x120cm
Theater des Übersehenen  

Geruch von Benzin liegt in der Luft, wenn der Leipziger Fotokünstler Erasmus Schröter und sein Team, Bildobjekte in bühnenhaft dramatisches Licht setzen. Die Elektroenergie mehrerer wattstarker Stromaggregate speist dann ganze Reihen farbiger Scheinwerfer und Blitzanlagen. Sie werfen am Ort seiner Aufnahmen gleißendes, stark eingefärbtes Licht auf seltsame Objekte. Erasmus Schröter zelebriert in seinen Bildern Dinge, die am Rande, in Dunkelheit existieren, dem Verschwinden preisgegeben sind. Über mehrere Jahre fotografierte er auf diese Weise zum Beispiel die Bunkerruinen an den europäischen Nordsee- und Atlantikküsten. Diese grauen, langsam verrottenden, bizarren Betonklötze werden durch Schröters Illumination jäh aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen. In fast obszöne Bonbonfarben getaucht ,die unserer bunten Werbewelt entlehnt sein könnten, entwickeln sie eine überraschende Ambivalenz zwischen Schauder und Schönheit. Besonders die Bilder, der im Abendlicht schimmernden, meerumspülten Betonskelette konterkarieren provokant die Stimmungslage romantischer deutscher Malerei eines Caspar David Friedrich oder Arnold Böcklin. Im scharfen Kontrast zum martialischen Beton der Bunker, fotografierte Erasmus Schröter dann eine Serie über verlassene, aufgegebene Gartenlauben. Dies sind nun höchst fragile, morsche, hölzerne Überreste eines längst vergangenen Gartenglücks. Selbstgezimmerte private Architektur, möglicherweise von der gleichen Generation Männer erbaut, die auch die Bunker errichten mussten.

Verfall und Vandalismus ausgesetzt, gehören sie zu den Dingen, die man gewöhnlich übersieht, gar nicht mehr bewusst wahrnimmtauf keinen Fall einer fotografischen Aufnahme für wert hält. Im gebündelten Lichtkegel der Schröter`schen Lichtinszenierung jedoch, gelangen sie plötzlich zu rätselhafter Würde und Bedeutung.

Für das Ausstellungsprojekt „PHOENIX“, welches 1996 im Gasometer Oberhausen gezeigt wurde, nahm Erasmus Schröter die Bilder zur Serie „Ins Licht „ auf. Die großformatigen Panoramafotografien entstanden auf stillgelegten Industriegeländen des Ruhrgebietes – Zechen, Hochöfen und Gleisanlagen. Sein Thema ist hier, wie sich die Vegetation rasch das, vom Menschen erst seit kurzem verlassene Terrain zurückerobert und die Strukturen aus Stahl und Beton überwuchert. Erasmus Schröter gehört zu den Fotokünstlern, die mit den Mitteln der konventionellen, chemischen Fotografie, weitab aller Manipulationen am Rechner oder im Labor, die Grenzen ihres Mediums ausschreiten. Rohstoff der Magie seiner Bilder ist allein der uralte Rohstoff der Fotografie seit je - das Licht.

  

Tobias Wieland


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