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Julius Hofmann

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Female Guard, 2014, 300x200cm, Acryl auf Leinwand
Female Guard, 2014, 300x200cm, Acryl auf Leinwand
Julius Hofmann ist ein Medienkind, doch als Maler betreibt er den Re-Import überholt erachteter technischer Bilder auf der Leinwand. Die Malerei repräsentiert so auch ein Gedächtnis der datenbasierten Bilder, nicht als deren Archiv, sondern als deren Reflektion. Und wenn HD-Technik für optimale Bildschirmschärfe sorgt, dann antwortet Hofmann in jüngster Zeit mit zunehmend teigigen Formen, so wie es bei Glasdiaprojektionen vorkommen konnte: Zur mangelnden Schärfeeinstellung gesellten sich im Hitzestau Newtonsche Ringe, die in einem weichen, psychedelischen Farbenspiel die Motive verschmolzen. Julius Hofmann kann trittsicher im Feld der elektronischen Medien agieren. Um dabei den souveränen Umgang mit denselben zu dokumentieren, wählt er als Bearbeitungsmodus die Infantilisierung, eine Form beherzter Ego-Demonstration, die das Professionelle wie den „guten Ton“ im gesellschaftlichen Verkehr ignoriert. Die Identitätsformierung in dieser Arbeitshaltung bekundet Distanz zum populären Medium und dem entsprechenden Nutzerkodex. Das Spielerische dominiert die Gebrauchsanweisung und User-Lenkung. Die Staffelei als Gegenüber fordert von Hofmann ein Mehr an Einsatz kreativer wie körperlicher Kräfte als der Mausklick.
Seine muskelbepackten Typen mit festem Schuhwerk und der Waffe im Anschlag verkörpern ein populäres Ahnenbild: den Kinohelden Rambo, jenen betont antiintellektuellen Gegenentwurf zum messiashaft interpretierten Che Guevara. Auch Rambo praktiziert als Einzelkämpfer den GuerillaEinsatz, doch bei aller Eigenwilligkeit folgt er den White-collar-Strategen im Pentagon. Diese menschlichen Kampfmaschinen zelebrieren Posen, die angesichts von Drohneneinsatz und im Hintergrund agierenden Sicherheitsfirmen martialisch und hilflos zugleich wirken. Doch ihre Suggestionskraft bleibt bis heute ungebrochen, hält man sich das Outfit und das Gebaren der weltweit agierenden Gotteskrieger und Separatisten vor Augen. Doch Hofmann bricht diese Bilder. Wie bei vielen cineastischen Mega-Erfolgen erleben die Hauptcharaktere immer wieder neue Einsätze in anderen Medien wie auch in den Spielzeugregalen. Dort findet sich die männliche Allzweckwaffe als Star-Wars-Krieger und Power Ranger, inzwischen nach einer vollzogenen Liaison mit der Manga-Kultur als Teenage Mutant Ninja Turtles oder als Teutans. Diesen Typen schenkt Hofmann seine Aufmerksamkeit, vor allem deren Verletzlichkeit und Unvollkommenheit, wenn kindliche Finger im Figurenbau Ober- und Unterkörper doch nicht passend fixieren können und die meist klein ausfallenden Köpfe labil auf dem Schulterblatt ihre Fixierung gefunden haben. Die Heroenkonstruktion erscheint bei Hofmann wie ein wenig vollkommenes Bastelwerk. Ein Faustschlag auf die Tischplatte und der Held in der Spielzeuglandschaft zerfällt in seine Bauteile.Hofmann verleiht einigen seiner Protagonisten einen Dresscode, der die von ihm benannte Inspiration durch den Kubismus belegt. Hier erscheint ein Bein wie ein Zylinder und die Finger einer Hand wirken wie parallel verlegte Röhren. Hofmann steigert diesen Eindruck, indem er Arme und Beine wie gefaltete Kartonagen zur Darstellung bringt und er damit Anleihen vollzieht, die im Bereich der Werbung zu verorten sind; zum Beispiel bei stilisierten Typen wie dem Michelin-Männchen und diversen Liftboy-Typen, die für Reinigungsmittel werben und deren Beine nur dafür da sind, Bügelfalte zu tragen. Hofmann findet über diese Gestalten einen visuellen Resonanzraum in der Großvätergeneration der heutigen Piktogramme. Und wenn all diese Totengesichter uns gleichermaßen erstarrt wie lebendig erscheinen, dann ist es wahrscheinlich die verwandtschaftliche Beziehung zum Mummenschanz der Ensorschen Nekrophilie wie auch zu den zahlreichen Bilddokumenten sizilianischer Katakomben, deren Bewohner uns zugleich anwesend wie abwesend empfangen. 
(Auszug aus Hans-Werner Schmidt: Das Kind tanzt in der Nacht, in: Re-Import. Julius Hofmann, 2015, MMKoehn Verlag, Berlin/Leipzig)

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