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Sebastian Speckmann

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Diskus, 2014, 59x49cm, Linolschnitt
Diskus, 2014, 59x49cm, Linolschnitt

Sebastian Speckmann schafft Bilder voller Latenzen, gebrochene, mehrschichtige, in ihrem Bau widersprüchliche Bilder, die sich aus unterschiedlichen Zuströmen an Versatzstücken bedienen und offensiv Inspiration aus anderen Medien und Materialien beziehen. Die Bilder können endzeitlich genauso wie urzeitlich wirken, zumindest wie im Traum erscheinen.

Der landschaftliche Motivbereich von Waldseen, tiefem Dickicht, Sumpfgebiet oder fern fluchtenden Baumreihen ist per se emotional gestimmt. Sie sind der bevorzugte Fundus, dessen sich Sebastian Speckmann bedient zur Generation, d.h. Weiterentwicklung eigener Bilder. Romantisch belegt, Angst besetzt oder in der Assoziation kriminologisch, legt er mit ihnen den Stoff an zu möglichen Erzählungen, die in den Bildern ausgetragen werden.
Meist im Vorüberfahren oder aus einem Aufenthalt aufgeschnappte Ausschnitte, aufblitzend im Augenwinkel, wird Landschaft zum katalytisch wirkenden Substrat. Bilder, wie sie im Bruchteil eines Moments, in der kurzlebigen Verschiebung der Optik, gehetzt, als Zwischenbild in der Normalansicht auftauchen und gleich wieder verschwinden, wenn das Gewöhnte sich fortsetzt. Der Realisation dieser flüchtigen Vision gilt seine Kunst. (Anja Brähler)


Die Zeichnungen des Künstlers Sebastian Speckmann basieren auf dem 1942 herausgegebenen Buch „Das ist Suomi. Finnland in Wort und Bild“. Der Künstler unternimmt den Versuch die propagandistischen Aussagen des Buches zu durchbrechen, um eine Neue zu erschaffen. Es ist dies die Idee der nationalsozialistischen Propaganda künstlerisch spielend entgegenzuwirken. Hierzu behandelt er die vorgefundene Arbeit, das fertige Blatt, wie eine Druckplatte. Der ursprüngliche Charakter der Seite bleibt gewahrt, weißer Rand und Bildunterschrift bleiben unberührt. Hybride, neue, sehr malerische Arbeiten entstehen; erweiterte Zeichnungen oder Überzeichnungen. Arbeiten, die in ihrer Vielschichtigkeit, ästhetisch wie intellektuell, den Betrachter in seine Bilderwelten, seinen Bilderkosmos führen. In den Linolschnitten greift er diese collagierende Arbeitsweise auf, basierend auf Fotografien, Fundstücken aus alten Bildbänden von vertrauten Landschaften – im Gebirge wie an der See – verlassenen Industrielandschaften, Architekturensembles oder Interieurs. Diese oftmals sehr farbigen Bilder werden von Sebastian Speckmann be­ und verarbeitet und durch seine Sicht in neue, geradezu monochrome, dunkle Bilder transformiert. Speckmanns Bilder sind nicht von Tristesse geprägt. Sie haben eine gewisse Poesie und einen eigenen Zauber in sich. Bekannte Szenen bekommen – wie im Traum – eine surreale, gleichzeitig verführerische und unheimliche Notation sowie Atmosphäre, der sich der Betrachter nur schwer entziehen kann. Wie in einem Film von Stanley Kubrick oder David Lynch sucht man die verborgenen Bilder hinter den Bildern und wandert mit den Augen, wie einem Sog folgend, vorsichtig weiter.


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