Corinne von Lebusa

Malerei
Text

Was ich sehe, sieht das andere
von Rosa Loy

Corinne von Lebusa zeigt sich in ihrer Malerei, in ihren Collagen und Zeichnungen sehr aufgeschlossen. Sie erschafft uns mit ihrer subjektiven Mystik die wunderbare Welt eines privaten Kosmos. Die Leichtigkeit und Flüchtigkeit scheinbar banaler Gedanken verbergen geschickt die Brüche im Ensemble. Die Bilder der Künstlerin weisen uns die Rolle eines Voyers zu , so als schauen wir uns Unerlaubtes an. Die Frage kommt auf, handelt es sich um Unerhörtes, darf ich mir das mit meine Kindern ansehen? Die Antwort ergibt sich aus der heiteren Unschuld welche die Bilder ausstrahlen. Das Auge wird verleitet, den Blick über die Schönheit ihrer wohlkomponierten Arragements in gefälliger Farbigkeit der Bilder umherzustreifen . Es wandert hier- und dorthin, ist beglückt über die wundervollen fidelen Gedanken der Malerin, das Herz öffnet sich aufgrund von Lebensfreude und der lebensfrohen Bejahung von Eros und Sinnlichkeit im Umgang mit den anderen Geschlecht, also über Beziehungen zwischen Männern und Frauen in einer Unkompliziertheit, wie wir sie wohl alle gern ein wenig mehr hätten. Die Zärtlichkeit und Zuneigung die uns aus Corinne von Lebusas Arbeiten entgegenkommen animieren uns zu beschwingter und aufgeräumter Betrachtung allzu menschlicher Situationen.

Plötzlich bleibt das Auge im behaglichen Gleiten über die Bildoberfläche hängen, im Augenwinkel erhebt sich ein kleiner Grad, der schmerzt. Eine fehlende Nase, rote Tränen, ein Gesicht bestehend nur aus Augen, schwarze Haut, eine perfekte Brust, halb übertüncht. Helligkeit, Leuchtkraft und Lebendigkeit werden konterkariert von Dunkelheiten, formalen Irritationen und vermögen den Arbeiten von Corinne von Lebusa eine überraschende Tiefgründigkeit zu verleihen. Abgeschnittene Gliedmaßen, merkwürdige Unfälle bremsen uns, lassen in uns nach einer Resonanz auf eine Botschaft forschen. Ist es nötig auf Alles eine Antwort zu finden, oder erlauben wir uns von der Schwerelosigkeit ihrer Bildern anstecken zu lassen? Die Künstlerin überlässt uns die Entscheidung.

Wir ertappen uns plötzlich eines Schmunzelns, einer ungewollten Heiterkeit trotz oder auch ob scheinbar tragischer Situationen, die uns wohlfein verpackt präsentiert werden. Corinne von Lebusa entwickelt auf Ihren Bildern einen wunderbaren Humor. Dieser feine Witz erheitert ohne erhobenen Zeigefinger und schafft es leicht uns das Lächeln des Tages zu entlocken. Es ist das sanfte hintergründige feminine Lächeln einer Sphinx, was hier geboren wird. Wir ergeben uns der Aussichtlosigkeit es einzufangen, zu erklären, zu katalogisieren oder zu archivieren. Weder lassen sich Schubladen noch Kategorien für die Bilder und den Humor in Corinne von Lebusas Arbeiten finden. Was für ein Vergnügen eine offensichtlich figurative, also reale Welt ganz unwirklich. In diese Unwirklichkeit hinein ist es uns gegeben unser eigenes Sein zu erspiegeln. Hier offeriert die Künstlerin eine kreative Sphäre wo Philosophie, Künstlichkeit, Realität, Weiblichkeit und Forschung in chymischer Vereinigung Neues zu erschaffen vermögen.

Die Expeditionen der Künstlerin ermöglichen den Zugriff auf Reproduktionen . Ganz gezielt durchforscht Corinne von Lebusa gedrucktes Material älteren Datums auf relavante Abbildungen. Dabei extrahiert sie Abbildungen von Bekannten und Unbekannten Menschen, kombiniert und collagiert sie neu, komponiert mit Formen und Farben um organisch Neues zu offerieren. Die oftmals zentrale Kompostiton der Bilder setzt die abgebildeten Figuren in den Mittelpunkt. Die Künstlerin verwendet zur Erstellung Ihres Euvres Aquarell, Ölfarben, Zeichenstifte, verschiedene Tuschen und diverse Firnisse. Die Collagen werden mit Fotos , farbigen Papieren, folgerichtig auch mit malerischen Mitteln ausgeführt. Corinne von Lebusa verwendet als Malgrund Finnpappen, die das Malmaterial teilweise aufsaugen und es so zu einer sanften weichen haptischen Anmutung kommt. Die einzelnen Malgründe werden in neueren Arbeiten auch kombiniert und ergeben somit neue Collagen die inhaltlich kommunizieren. Diese komponierten Tafeln haben mitunter die Ausstrahlung einer sehr persönlichen Kapelle.

Corinne von Lebusa bedient sich sowohl allgemein verständlicher Symbole und Zeichen als auch selbst geschaffener Sinnbilder, Schriftzeichen, Worte und Satzfragment. Ihre eigene Forschung gebietet ihr selbst erfundene Symbole und Zitate zu verwenden. Es ist erstaunlich, wie sie diese zu abstrakten Kompositionen zusammenfügt aber auch in ihre figürlichen Bilder einfließen läßt. Zunehmend findet man im Werk der Künstlerin abstrakte Arbeiten, die eine schlüssige Fortführung und Ergänzung bisheriger Arbeit sind. Es ist sehr erfrischend, wie in jedem ihrer Bilder eine eindeutige persönliche Handschrift wiederzufinden ist.

Biografie
  • 1978 geboren in Herzberg
  • 1998 Studium an der Burg Giebichenstein Halle, Fachrichtung Modedesign und Graphikdesign
  • 2001-2005 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Fachklasse Malerei, Prof. Arno Rink
  • 2005-2008 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Fachklasse Malerei, Prof. Neo Rauch
  • 2008 Diplom der Malerei bei Prof. Neo Rauch
  • lebt und arbeitet in Leipzig

Einzelausstellungen

  • 2018 Wer rein kommt ist drin, Galerie Kleindienst, Leipzig
  • 2017 Herz frisst Liebe, Levy Galerie, Hamburg
  • 2016 Du trägst dein Haar wie es immer war, Ostdeutscher Sparkassenverband, Berlin
  • 2015 Was ich seh, sieht das Andere, Galerie Kleindienst, Leipzig
  • 2013 Halt mich, oder halt nicht, Galerie Jette Rudolph, Berlin
  • 2011 Mein geliebter Knecht, Galerie Kleindienst, Leipzig
  • 2009 Ich geh mit dir wohin ich will, Stadtgalerie Schwaz (Österreich)
    Museum Haus Konstruktiv, Zürich
  • 2008 Schön ist die Jugend, Galerie Kleindienst, Leipzig
    Body Sweet, Helene Nyborg Contemporary, Valby (Dänemark)

Ausstellungsbeteiligungen

  • 2019 VOIX, Museum der bildenden Künste, Leipzig
    DOUBLES (Künstlerpaare), Kunsthalle der Sparkasse, Leipzig
    Das Trifft Sich Gut, (mit Tilo Baumgärtel und Rosa Loy), Galerie Stoetzel-Tiedt (Stubengalerie), Goslar
    The Leipzig Connection, 5th Biennale of Painting, Zagreb, Kroatien
    specialrooms, Salon für Kunst & Kultur, Berlin
    2018 Painting XXL. MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig, Galerie Leuenroth, Frankfurt am Main
    30 ziehen durch die Stadt, Mash up & Affenfaustgalerie, Hamburg
    The Leipzig Connection, Croatian Association of Artists (HDLU), Zagreb (Kroatien)
    2017 doing identity. Die Sammlung Reydan Weiss, Kunstmuseum Bochum
    Under Influence, Galerie Dukan, Leipzig
    2016 Vielleicht auch nur eine Nachhall dessen, was war, ist oder sein wird, Galerie Jens Goethel, Hamburg
    Höhenrausch - Kunstresidenz Bad Gastein goes Berlin, Eigen+Art Lab, Berlin
    Immer und Ewig. 23. Leipziger Jahresausstellung, Westwerk Leipzig
    2015 Beuys ohne Hut. Karin Szekessy fotografiert Künstler, Horst-Janssen-Museum, Oldenburg
    Werkschau der Spinnereikünstler, Werkschauhalle, Leipzig
    MASH UP 2, Hardenbergstraße, Leipzig
    Gute Kunst? Wollen! SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, Auf AEG, Nürnberg
    2014 BGL#1, Kesselhaus, Bergisch Gladbach / Köln
    2013 Lokalkolorit: Ich verderbe mich in Sehnsucht, Kerry Inman Gallery, Houston (Texas)
    20. Leipziger Jahresausstellung, WESTWERK, Leipzi
    Babylon (mit Moritz Schleime), Wendt und Friedmann Galerie, Berlin
    Wonderful - Die Olbricht Collection, me-Collectors Room, Berlin
    Du bist mein Spiegel; Part 1-Girls, Potembka Gallery, Leipzig
    2012 Eros und Thanatos (SØR Rusche Collection), Werkschauhalle Leipzig
    Location, Adam Baumgold Gallery, New York
    Hotel Desire, Meisterzimmer/Spinnerei, Leipzig
    Sommer.Frische.Kunst, Altes Kraftwerk, Bad Gastein (Österreich)
    Salon de Beauté, Spring Group Show, Potemka Contemporary Art, Leipzig
    Singleclub, Baumwollspinnerei Halle 10, Leipzig
    2011 Porträt, Wendt und Friedmann Galerie, Berlin
    Group show, Silas Marder Gallery, New York
    Convoy Leipzig, Biksady Gallery, Budapest
    Die Ungestümten, Neuer Pfaffenhofener Kunstverein, Pfaffenhofen
    Exodus, 23.6. - 21.12.2012, eeg Leipzig
    2010 Women, Silas Marder Gallery, New York
    Passion fruits, Ollbricht Collection, Berlin
    Herzplosion, Spinnerei Leipzig
    Gold von den Sternen, Kunstraum Ortloff, Leipzig
    2009 Sex Rules, Apartment Draschan, Wien
    Süsse Milch, Ecksteingalerie Leipzig
    Werkschau, Spinnereigeburtstag, Leipzig
    Nietzsche macht Größe, Alter Schlachthof, Naumburg
    2008 Drawcula, Galerie Kleindienst, Leipzig
    2007 Swing, Galerie Jens Goethel, Hamburg
    Mein gläubiges Herz, Galerie Post, Dresden
    2006 Junge Kunst, Galerie Kleindienst, Leipzig
    2005 Im Osten was Neues, Villa Beethovenstraße, Leipzig
    2004 Juli quin-total cx, Villa auf der Karl-Liebknecht-Strasse, Leipzig
    2003 The menstrulation & the womana lib, im schnucki kusch kusch, Leipzig

Stipendien / Preise

  • 2012 Arbeitsstipendium der Kunstresidenz Bad Gastein (Österreich)
  • 2010 Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

Bibliografie

  • 2015 Edit. Literaturzeitschrift, Literaturverein edit e.V. Leipzig, Winter 2015/16
  • 2014 Corinne von Lebusa - Was ich seh sieht das andere (Katalog), Ostdeutsche Sparkassenstiftung, Berlin / Sandstein Verlag, Dresden
  • 2009 Corinne von Lebusa - Ich geh mit dir wohin ich will (Katalog), Galerie Kleindienst / LUBOK Verlag, Leipzig
  • 2006 Corinne von Lebusa - lebusalong (Katalog), Galerie Kleindienst, Leipzig