Mike Okay
Text
Was bleibt von dem Menschen, der wir einmal waren? Vielleicht erinnern wir uns an die Vergangenheit vor allem durch das Gefühl, das sie in uns hinterlassen hat. Ein Geruch, eine Farbe, eine Geste oder ein vertrautes Szenario reichen oft aus, damit sich dieselben Empfindungen wieder einstellen.
In meinen neuen Arbeiten versuche ich zu verstehen, welche Erfahrungen mich geprägt haben und warum bestimmte Dinge bis heute Gefühle in mir auslösen. Was verbirgt sich hinter Pastellviolett und Inlineskates? Warum erzählen die Durchgänge, Höfe und Freiflächen hinter den Plattenbauten für mich von Freiheit, Abenteuer und Aufbruch? Warum lösen bestimmte Farben, Haltungen oder Gegenstände bis heute genau diese Gefühle in mir aus? Mich interessieren diese Verbindungen. Sie erzählen etwas über den Menschen, der ich geworden bin.
Ich bin in den 80er- und 90er-Jahren groß geworden. Die Ästhetik dieser Zeit ist meine visuelle Muttersprache. Deshalb tauchen in meinen Arbeiten Plüschmasken, Inlineskates, Spielzeug, Architekturandeutungen, Pastellfarben oder Graffiti-Gesten auf. Sie bilden das Vokabular, mit dem ich über Freiheit und Kontrolle, Neugier und Unsicherheit, Nähe und Distanz, Verletzlichkeit und Selbstbehauptung spreche. Ich benutze die Ästhetik meiner Kindheit und Jugend, um über meine Gegenwart zu sprechen.
Für Smells Like Teen Spirit erweitere ich meine Malerei um eine weitere sinnliche Ebene. Gemeinsam mit der Duftkünstlerin Veronika Raupach entsteht eine eigens entwickelte Duftkomposition, die den Ausstellungsraum begleitet. Gerüche funktionieren für mich ähnlich wie Bilder. Der Geruch von Regen auf warmem Beton, Sonnencreme auf verschwitzter Haut, Rapsfeldern oder Blumen aus dem Garten meiner Großeltern ruft keine konkrete Geschichte ab. Er lässt Stimmungen und Erfahrungen wieder lebendig werden, die bis heute in mir nachwirken.
In meiner Ausstellung sind Malerei und Duft Teil derselben Suche. Beide führen mich zurück zu den Erfahrungen, die mich geprägt haben – auf der Suche nach dem, was von dem Menschen geblieben ist, der ich einmal war.
Mike Okay zur Ausstellung „Smells Like Teen Spirit“, 2026
-
1980 geboren in Halle
1998 Mitbegründer des Kunstkollektivs KLUB7
2001 - 2002 Architekturstudium an der HTWK Leipzig
2003 - 2010 Designstudium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule, Halle
lebt und arbeitet in Berlin und Halle
Einzelausstellungen
- 2026 Smells Like Teen Spirit, Galerie Kleindienst, Leipzig
2024 Turbo Diary, We Collect Gallery, Madrid (ES)
2023 Alle Pudel fliegen hoch, Galerie Kleindienst, Leipzig
Von Anton bis Zylinder, dieHO-Galerie, Magdeburg
2020 Toy Stories, Valerius Gallery, Luxemburg (LU)
Ausstellungsbeteiligungen
- 2026 Dance Like Nobody’s Watching, Bunker Galleria, Florenz
New Heavy Shit 2, NBB Gallery, Berlin
2025 Knotenpunkt, Affenfaust Galerie, Hamburg
NEW, Galerie Kleindienst, Leipzig
RE:PLAY, Ulstrup Gallery, Kopenhagen
2024 NEW, Galerie Kleindienst, Leipzig
GREETINGS FROM LE, Jari Lager Gallery, Köln
Wir sind Kunst, Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Halle
Fractals, C Square Gallery, Taichung City
New Heavy Shit, NBB Gallery, Berlin
2023 Like a deer, gr_und, Berlin
Dream Paper 2, Galerie Slika, Lyon
Der Unterschied im Gleichen, Galaxie Neuer Künste, Halle
3-A-DOZEN, Galleri Sandberg, Odense
Chicken is off the menu, Galerie Kleindienst, Villa Heike, Berlin
2022 Sileo, Galaxie Neuer Künste, Halle
NEW, Galerie Kleindienst, Leipzig
Annika Nuttal Gallery, Aarhus
Kosmos Haendel, Hallescher Kunstverein, Halle
2021 Fluffy Bananas, Valerius Gallery, Luxemburg
Hey! Follow Me! It’s Happy Our Time, Galleria Fran Reus, Palma
2019 Coming Off The Wall, Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Halle
Facing Realities, The Art Union, Berlin
2018 Coming Off The Wall, Bethanien, Berlin